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Aktuelles aus dem Strafrecht

Ausgewählte Gerichtsentscheidungen mit Einordnung für die Verteidigungspraxis — von Fachanwalt für Strafrecht Andreas Meyer.

Rechtsprechung aus der Verteidigungsperspektive

Gerichtsentscheidungen sind im Strafrecht keine abstrakten Texte — sie bestimmen, ob ein Haftbefehl aufrechterhalten wird, ob Beweise vor Gericht verwertbar sind oder ob eine Einziehungsanordnung Bestand hat. In dieser Rubrik kommentiere ich ausgewählte Urteile und Beschlüsse aus der Praxis der Strafverteidigung: Was hat das Gericht entschieden? Was bedeutet die Entscheidung für Beschuldigte und Verteidiger — und wo bleibt Angriffsfläche?

Der Schwerpunkt liegt auf Entscheidungen des BGH, BVerfG und der Oberlandesgerichte, die Verteidigungsstrategien unmittelbar beeinflussen: Beweisverwertungsverbote, Haftrecht, Vermögensabschöpfung und digitale Ermittlungsmaßnahmen. Nicht jede Entscheidung ist ein Erfolg für die Verteidigung — aber jede lässt sich einordnen.

2026 — Aktuelle Entscheidungen

2025 — Entscheidungen im Überblick

OLG Hamburg 2 Ws 45/25 13. November 2025

EuHb — Auslieferung bei systemischen Haftbedingungsmängeln aufgeschoben

Das OLG Hamburg wendet die Aranyosi/Dorobantu-Rechtsprechung des EuGH konsequent an und verweigert die Auslieferung, solange keine konkreten Garantien zu den Haftbedingungen im Ausstellungsstaat vorliegen.

Auslieferungsrecht
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BGH AK 92/25 30. Oktober 2025

Haftfortdauer über neun Monate — Anforderungen an den Beschleunigungsgrundsatz in Haftsachen

Der BGH ordnet die Fortdauer der Untersuchungshaft über neun Monate hinaus an und bekräftigt die strengen Anforderungen des § 121 StPO. Die Entscheidung verdeutlicht, wann eine Überschreitung der Sechs-Monats-Frist zulässig ist — und welche Grenzen gelten.

Untersuchungshaft
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BGH 1 StR 270/25 30. September 2025

Einziehung nur bei tatsächlicher Mitverfügungsgewalt

Mittäterschaft allein begründet keine Einziehung. Der BGH hebt pauschale Einziehungsanordnung gegen alle vier Mittäter auf — Fluchtfahrer hatte nie Zugriff auf die Beute.

Vermögensabschöpfung
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BVerfG 2 BvR 625/25 23. September 2025

Verwertbarkeit von ANOM-Daten im Strafverfahren

Das BVerfG sieht keine verfassungsrechtlichen Bedenken gegen die Verwertung von ANOM-Krypto-Messenger-Daten — doch die Fachliteratur hält Ansatzpunkte für Verwertungsverbote offen.

Strafprozessrecht — Beweisverwertung
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AG Bernburg 5 Ds 77/25 6. August 2025

Beweisverwertungsverbot bei unverhältnismäßiger Durchsuchung

Zweieinhalb Jahre alte Darknet-Bestellungen begründen keinen Anfangsverdacht. Das AG Bernburg lehnt die Anklage wegen 5,3 g Amphetamin ab — Beweise unverwertbar.

Betäubungsmittelstrafrecht
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BGH 3 StR 412/24 24. Juli 2025

Geldwäsche — Einziehung setzt positiven Herkunftsnachweis voraus

Der BGH stellt klar: Die fehlende Erklärbarkeit einer legalen Herkunft durch den Angeklagten allein reicht für die Einziehungsanordnung im Geldwäscheverfahren nicht aus. Das Tatgericht muss die deliktische Herkunft positiv feststellen.

Vermögensabschöpfung
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BGH 1 StR 88/25 19. Juni 2025

Verdeckter Ermittler — Verwertungsverbot bei Tatprovokation

Der BGH präzisiert das Tatprovokationsverbot: Veranlasst ein VE einen zuvor nicht tatgeneigten Beschuldigten zur Tat, sind alle dadurch erlangten Erkenntnisse unverwertbar.

Strafprozessrecht
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BVerfG 2 BvR 1015/24 8. April 2025

Untersuchungshaft — Formularmäßige Ablehnung von Haftalternativen reicht nicht

Das BVerfG hebt einen Haftbefehl auf, der sich nicht konkret mit den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten und den Möglichkeiten milderer Maßnahmen nach § 116 StPO auseinandergesetzt hatte.

Untersuchungshaft
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BGH 2 StR 232/24 13. März 2025

Zwangsweise Entsperrung eines Smartphones per Fingerabdruck — BGH billigt umstrittene Ermittlungsmaßnahme

Der BGH hält § 81b Abs. 1 StPO i.V.m. §§ 94 ff. StPO für eine ausreichende Rechtsgrundlage, um ein Mobiltelefon durch zwangsweises Auflegen des Fingers auf den Sensor zu entsperren. Die Entscheidung ist in der Literatur auf erhebliche Kritik gestoßen.

Strafprozessrecht
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Hinweis: Die Kommentare geben die persönliche Einschätzung von Rechtsanwalt Andreas Meyer wieder und ersetzen keine individuelle Rechtsberatung. Gerichtsentscheidungen unterliegen ständiger Fortentwicklung — sprechen Sie bei konkreten Fragen direkt mit einem Verteidiger.
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